Statistik Blog · Grundlagen
Deskriptiv, explorativ, inferenzstatistisch: was wann gefragt ist
Die drei Ebenen der Auswertung bauen aufeinander auf. Wer sie durcheinanderbringt, beantwortet am Ende eine andere Frage als die eigentlich gestellte.
Drei Fragen, drei Ebenen
In fast jeder Methodendiskussion taucht früher oder später die Frage auf, ob eine Auswertung "nur deskriptiv" oder "auch inferenzstatistisch" sein soll. Die Verwirrung entsteht meist, weil die drei Ebenen unterschiedliche Fragen beantworten, nicht unterschiedliche Schwierigkeitsgrade derselben Frage.
Deskriptive Statistik beschreibt, was in den vorliegenden Daten steckt: Mittelwerte, Häufigkeiten, Streuungsmaße, übersichtlich in Tabellen und Grafiken. Sie trifft keine Aussage über eine Population, nur über die konkret erhobene Stichprobe.
Explorative Statistik sucht in den Daten nach Mustern, Zusammenhängen oder Gruppierungen, die vorher nicht bekannt waren, etwa mittels Faktorenanalyse oder Clusteranalyse. Sie generiert Hypothesen, sie prüft sie nicht.
Inferenzstatistik schließlich prüft konkrete, vorab formulierte Hypothesen und schließt von der Stichprobe auf die Population, etwa mit einem t-Test oder einer Regression samt p-Wert. Sie beantwortet die Frage: Lässt sich der beobachtete Effekt verallgemeinern, oder ist er durch Zufall erklärbar?
Der häufigste Fehler
Explorativ gefundene Zusammenhänge werden oft fälschlich als bestätigt dargestellt, als hätte man sie vorab hypothetisiert und inferenzstatistisch geprüft. Das verzerrt die Aussagekraft der Ergebnisse erheblich und ist einer der häufigsten Kritikpunkte in Gutachten.
Häufige Fragen.
Reicht für meine Abschlussarbeit deskriptive Statistik aus?
Das hängt von Ihrer Forschungsfrage ab. Wenn Sie nur beschreiben wollen, was in Ihrer Stichprobe vorliegt, reicht Deskriptivstatistik. Sobald Sie eine Hypothese prüfen oder verallgemeinern wollen, brauchen Sie Inferenzstatistik.
Darf ich explorative Ergebnisse als Haupterkenntnis präsentieren?
Sie sollten transparent kennzeichnen, dass ein Zusammenhang explorativ gefunden wurde, statt ihn als vorab bestätigte Hypothese darzustellen. Andernfalls wirkt Ihre Auswertung methodisch unsauber.
Kann ich alle drei Ebenen in einer Arbeit kombinieren?
Ja, das ist sogar üblich: deskriptive Statistik zur Beschreibung der Stichprobe, gegebenenfalls explorative Analysen zur Hypothesengenerierung, und Inferenzstatistik zur eigentlichen Hypothesenprüfung.
Wie entscheide ich, welches inferenzstatistische Verfahren passt?
Das hängt von Skalenniveau, Verteilungsform und Anzahl der Gruppen ab. Im Zweifel lohnt sich eine kurze fachliche Einschätzung vor der Auswertung.
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