Leistung

Fragebogen auswerten in SPSS und R

Jeder ausgefüllte Fragebogen ist eine Zeile in Ihrem Datensatz. Was daraus wird, entscheidet sich bei der Aufbereitung, nicht erst beim Test. Wir übernehmen die vollständige Fragebogenauswertung in SPSS oder R, seit 2020, DACH-weit.


Vom Fragebogen zum auswertbaren Datensatz

In einer wissenschaftlichen Arbeit bildet die Erhebung der Daten die Basis für die Analyse der Hypothesen. Die Ergebnisse geben letztlich Auskunft darüber, ob die einzelnen Hypothesen bestätigt oder verworfen werden. Der einzelne Fragebogen entspricht dabei einer Datenzeile, sodass alle Fragebögen zu einem Datensatz in SPSS oder R zusammengefasst und geprüft werden können.

Bevor gerechnet wird, müssen die Daten importiert oder erfasst und anschließend auf statistische Gültigkeit und Vollständigkeit überprüft werden. Fehlende Werte, Ausreißer und inkonsistente Antworten werden dokumentiert und nach einem nachvollziehbaren Verfahren behandelt. Das ist der unspektakulärste, aber der folgenreichste Teil der Auswertung.

Bei Onlineumfragen kommt hinzu, dass ein Teil der Teilnehmenden den Fragebogen vorzeitig abbricht. Diese unvollständigen Fälle müssen vor der eigentlichen Analyse identifiziert und je nach Abbruchpunkt entweder ausgeschlossen oder, wenn ein großer Teil der relevanten Items beantwortet wurde, sinnvoll in die Auswertung einbezogen werden. Wird das übersehen, verzerren systematische Abbrecher, etwa bei besonders langen oder sensiblen Frageblöcken, das Gesamtergebnis, ohne dass es auf den ersten Blick auffällt.

FragebögenDatenmatrix

V1V2V3 V4V5 42153 35244 51332 4251 NA n Zeilen = n Fragebögen

Reliabilität: misst Ihr Fragebogen überhaupt zuverlässig?

Gerade bei einem neu erstellten Fragebogen ist die Reliabilität für die Auswertung besonders wichtig. Sie beschreibt, wie stark ein Messinstrument von zufälligen Messfehlern beeinflusst wird. Hat der Fragebogen eine perfekte Genauigkeit, kommt es unter gleichen Bedingungen zu den gleichen Ergebnissen. Bei niedriger Reliabilität dagegen käme derselbe Fragebogen unter gleichen Bedingungen zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen, ein Hinweis darauf, dass er mit hohen Messfehlern belastet ist.

Wir prüfen die Skalen Ihres Fragebogens vor der eigentlichen Analyse und weisen die Kennwerte im Ergebnisdokument aus. Falls eine Skala nicht trägt, sagen wir Ihnen das, bevor darauf eine ganze Hypothesenprüfung aufgebaut wird.

Gerade bei Mitarbeiterbefragungen, klinischen Fragebögen oder anderen sensiblen Themen ist neben der statistischen Qualität auch der vertrauliche Umgang mit den Rohdaten wichtig. Ihre Daten werden ausschließlich für Ihr Projekt verwendet, vertraulich behandelt und auf Wunsch nach Abschluss der Auswertung gelöscht.

Drei Hauptbereiche der Umfrageauswertung.

Fragebogendaten sind ein Spezialfall der allgemeinen statistischen Auswertung, mit denselben drei Ebenen wie bei jedem anderen Datensatz.

Bereich 01

Deskriptive Auswertung

Relative und absolute Häufigkeiten in den einzelnen Klassen, etwa nach Geschlecht oder Gruppenzugehörigkeit, sowie Minimum, Maximum, Durchschnitt und Standardabweichung einzelner Fragen und Merkmale wie Alter oder Einkommen. Dazu die grafische Aufbereitung, die dieselben Ergebnisse anschaulich macht.

Bereich 02

Explorative Auswertung

Die erkundende Statistik geht weiter als die beschreibende. Ziel ist es, Strukturen und Zusammenhänge in den Daten zu finden, die vorher unbekannt waren. Das liefert oft Anhaltspunkte für weitere Hypothesen und zeigt, welche Fragen sich für die eigentliche Prüfung lohnen.

Bereich 03

Inferenzstatistik

Den Abschluss bildet die schließende Statistik. Sie prüft die Hypothesen und Forschungsfragen, die zu Beginn oder durch die explorative Phase bestimmt wurden, mit wahrscheinlichkeitstheoretischen Verfahren auf ihre Allgemeingültigkeit. Mehr zu den Grundlagen dieser drei Ebenen lesen Sie im Beitrag deskriptiv, explorativ, inferenzstatistisch.

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Fragebogen in SPSS auswerten: Schritt für Schritt.

So läuft die Auswertung eines Fragebogens in SPSS in der Praxis ab, vom Rohdatensatz bis zum fertigen Ergebnis. Wenn Sie selbst auswerten möchten, orientieren Sie sich an diesen sechs Schritten. Wenn nicht, übernehmen wir genau das für Sie.

01

Daten importieren

Über Datei → Öffnen → Daten Excel- oder CSV-Dateien einlesen, oder Rohdaten direkt per Copy-Paste aus Excel in den SPSS-Dateneditor einfügen.

02

Variablen definieren

In der Variablenansicht Skalenniveau (nominal, ordinal, metrisch) und Wertelabels festlegen, etwa "1 = stimme gar nicht zu" bis "5 = stimme voll zu" bei Likert-Items.

03

Daten prüfen und bereinigen

Über Analysieren → Deskriptive Statistiken → Häufigkeiten auf fehlende Werte, Ausreißer und unplausible Eingaben prüfen, bevor gerechnet wird.

04

Reliabilität prüfen

Bei mehrteiligen Skalen über Analysieren → Skala → Reliabilitätsanalyse Cronbachs Alpha berechnen, bevor die Items zu einem Summenwert zusammengefasst werden.

05

Test durchführen

Je nach Fragestellung über Analysieren → Mittelwerte vergleichen, Nichtparametrische Tests oder Regression das passende Verfahren auswählen und rechnen.

06

Ergebnisse interpretieren

Tabellen und Diagramme aus dem SPSS-Viewer exportieren und im Ergebnisteil so einordnen, dass p-Wert, Effektstärke und praktische Bedeutung nachvollziehbar zusammenhängen.

Häufige Fehler bei der Fragebogenauswertung.

Diese Fehler sehen wir immer wieder, in studentischen Arbeiten genauso wie in betrieblichen Auswertungen.

  • Falsches Skalenniveau angenommen. Likert-Items werden oft wie metrische Daten behandelt, obwohl sie streng genommen ordinal sind. Bei Einzelitems ist das methodisch angreifbar.
  • Reliabilität nicht geprüft. Eine Skala wird zum Summenwert zusammengefasst, ohne vorher Cronbachs Alpha zu berechnen. Trägt die Skala nicht, trägt auch das Ergebnis nicht.
  • Testvoraussetzungen übersprungen. Ein t-Test wird gerechnet, ohne vorher auf Normalverteilung zu prüfen, siehe dazu auch unser Beitrag Normalverteilung prüfen.
  • Fehlende Werte einfach gelöscht. Ganze Fälle werden entfernt, statt das Muster der fehlenden Werte zu dokumentieren und begründet zu behandeln.
  • Signifikanz mit Relevanz verwechselt. Ein p-Wert unter .05 wird als bedeutsames Ergebnis verkauft, ohne die Effektstärke zu berichten. Mehr dazu im Beitrag Signifikant heißt nicht relevant.
  • Mehrfachtestung ohne Korrektur. Werden viele Items einzeln getestet, steigt die Wahrscheinlichkeit falsch-positiver Ergebnisse, ohne eine Korrektur wie Bonferroni bleibt das unberücksichtigt.

Welcher Test für welche Fragestellung.

Eine grobe Orientierung, ersetzt aber nicht die Prüfung der genauen Voraussetzungen im Einzelfall.

2 unabhängige Gruppen, metrisch, normalverteiltt-Test für unabhängige Stichproben
2 unabhängige Gruppen, ordinal oder nicht normalverteiltMann-Whitney-U-Test
2 verbundene Messungen, metrisch, normalverteiltt-Test für verbundene Stichproben
2 verbundene Messungen, ordinal oder nicht normalverteiltWilcoxon-Test
3 oder mehr unabhängige Gruppen, metrischEinfaktorielle ANOVA
3 oder mehr unabhängige Gruppen, ordinalKruskal-Wallis-Test
Zusammenhang zweier metrischer VariablenKorrelation nach Pearson
Zusammenhang zweier ordinaler VariablenKorrelation nach Spearman
Zusammenhang zweier kategorialer VariablenChi-Quadrat-Test
Vorhersage einer metrischen ZielgrößeLineare Regression
Vorhersage einer binären ZielgrößeLogistische Regression

Likert-Skalen richtig auswerten.

Likert-Skalen gehören zu den häufigsten Antwortformaten in Fragebögen, von "stimme gar nicht zu" bis "stimme voll zu". Formal handelt es sich um ordinale Daten, die Abstände zwischen den Kategorien sind nicht zwingend gleich groß. Ein einzelnes Likert-Item deshalb wie eine metrische Variable zu behandeln, etwa mit einem Mittelwert zu beschreiben, ist methodisch angreifbar.

In der Praxis werden Likert-Items jedoch selten einzeln ausgewertet, sondern zu einer Skala aus mehreren Items zu einem Summen- oder Mittelwert zusammengefasst. Ist die Reliabilität dieser Skala ausreichend hoch (Cronbachs Alpha ab etwa 0,7) und besteht sie aus genügend Items, gilt die Verwendung parametrischer Verfahren wie t-Test oder ANOVA auf den Skalenmittelwert in weiten Teilen der Forschung als vertretbar.

Unsere Empfehlung: Reliabilität immer zuerst prüfen, dann entscheiden, ob die Skala als Summenwert parametrisch oder je Item nichtparametrisch ausgewertet wird. Wir treffen diese Entscheidung gemeinsam mit Ihnen und begründen sie im Ergebnisdokument nachvollziehbar.

Wie viele Fragebögen brauchen Sie?

Eine häufige Frage vor der Erhebung: Wie viele ausgefüllte Fragebögen sind nötig, damit ein Ergebnis überhaupt belastbar ist? Pauschale Faustregeln wie "mindestens 30 pro Gruppe" greifen zu kurz, die tatsächlich nötige Stichprobengröße hängt vom erwarteten Effekt, der Anzahl der Gruppen und dem geplanten Testverfahren ab. Eine kleine Stichprobe kann einen großen Effekt zuverlässig zeigen, ein kleiner Effekt braucht dagegen deutlich mehr Fälle, um sich überhaupt von Zufall zu unterscheiden.

Eine Poweranalyse vor der Erhebung legt fest, wie viele Fragebögen für Ihre konkrete Fragestellung realistisch nötig sind, statt hinterher festzustellen, dass die Stichprobe zu klein war, um überhaupt etwas nachzuweisen. Gerade bei Abschlussarbeiten mit begrenztem Erhebungszeitraum lohnt sich dieser Schritt, bevor der Fragebogen überhaupt verschickt wird. Auf Anfrage übernehmen wir die Poweranalyse als eigenständigen, kurzfristig verfügbaren Schritt vor Ihrer eigentlichen Erhebung.

Explorative Faktorenanalyse bei umfangreichen Fragebögen.

Enthält Ihr Fragebogen viele Einzelitems zu ähnlichen Themen, etwa zehn Items rund um Arbeitszufriedenheit, stellt sich oft die Frage, ob diese Items tatsächlich ein einziges oder mehrere unterschiedliche Konstrukte messen. Die explorative Faktorenanalyse fasst Items, die stark miteinander korrelieren, zu gemeinsamen Faktoren zusammen und macht sichtbar, welche Struktur tatsächlich hinter den Daten steckt, statt sie vorab anzunehmen.

Das Ergebnis ist eine reduzierte Anzahl an Faktoren, die sich anschließend wie eigene Skalen behandeln und auf Reliabilität prüfen lassen. Sinnvoll ist das vor allem bei neu konstruierten Fragebögen oder wenn unklar ist, ob die ursprünglich angenommene Struktur der Skalen sich in Ihren Daten tatsächlich bestätigt. Bei etablierten, bereits validierten Skalen ist stattdessen meist eine konfirmatorische Prüfung der bekannten Struktur der passendere Weg.

In der Praxis entscheidet sich erst mit der Faktorenanalyse, wie viele tatsächlich unabhängige Konstrukte Ihr Fragebogen misst. Zwei Items, die inhaltlich verschieden wirken, können statistisch stark genug zusammenhängen, um denselben Faktor zu bilden, und umgekehrt. Diese Struktur bildet anschließend die Grundlage für alle weiteren Auswertungsschritte, von der Reliabilitätsprüfung bis zur eigentlichen Hypothesenprüfung.

Was Sie liefern, was Sie zurückbekommen.

Sie liefernIhre Rohdaten als Excel-, CSV- oder SPSS-Datei, den Fragebogen selbst und Ihre Forschungsfragen oder Hypothesen.
PapierfragebögenAuf Wunsch übernehmen wir die Erfassung, sodass aus Papierbögen ein sauberer Datensatz wird.
OnlineumfragenExporte gängiger Umfragetools wie SoSci Survey, LimeSurvey, Unipark oder Google Forms verarbeiten wir direkt weiter, inklusive Bereinigung von Testdurchläufen und Abbrechern.
Sie erhaltenVollständige Auswertung mit Tabellen, Grafiken und schriftlicher Interpretation, auf Wunsch mit kommentiertem Auswertungsskript.
AbschlussBesprechung der Ergebnisse, bis Sie jeden Wert erklären können.

Häufige Fragen zur Fragebogenauswertung.

Wie wertet man einen Fragebogen aus?

Zuerst werden die Daten in SPSS oder R importiert oder eingegeben und auf Gültigkeit und Vollständigkeit geprüft. Anschließend erfolgt die Auswertung in drei Bereichen: deskriptiv, explorativ und inferenzstatistisch.

Was bedeutet Reliabilität bei einem Fragebogen?

Die Reliabilität beschreibt, wie stark ein Messinstrument von zufälligen Messfehlern beeinflusst wird. Ein reliabler Fragebogen liefert unter gleichen Bedingungen gleiche Ergebnisse.

In welchem Format muss ich meine Fragebogendaten liefern?

Excel, CSV und SPSS-Dateien sind ideal. Exporte gängiger Onlineumfrage-Tools sowie Papierfragebögen zur Erfassung sind ebenfalls möglich.

Reicht SPSS für die Fragebogenauswertung, oder brauche ich R?

Für die weit überwiegende Mehrheit der Fragebogenauswertungen reicht SPSS vollkommen aus. R lohnt sich bei sehr großen Datensätzen, speziellen Modellen oder wenn Ihre Hochschule R ausdrücklich vorschreibt. Mehr dazu im Beitrag SPSS oder R.

Was kostet die Auswertung eines Fragebogens?

Das hängt von Stichprobengröße, Anzahl der Items und Komplexität der Auswertung ab. Nach kurzer kostenloser Einschätzung erhalten Sie ein verbindliches Festpreisangebot, Details und Beispiele auf unserer Seite Kosten einer statistischen Auswertung.

Wie werden Likert-Skalen ausgewertet?

Einzelne Likert-Items sind ordinal und werden entsprechend nichtparametrisch ausgewertet. Bei mehrteiligen Skalen mit ausreichender Reliabilität (Cronbachs Alpha ab etwa 0,7) ist die Auswertung des Skalenmittelwerts mit parametrischen Verfahren in weiten Teilen der Forschung üblich und vertretbar.

Was mache ich bei fehlenden Werten im Fragebogen?

Fehlende Werte sollten nicht einfach gelöscht, sondern dokumentiert und nach einem nachvollziehbaren Verfahren behandelt werden, etwa listenweiser Fallausschluss oder Imputation. Welches Verfahren angemessen ist, hängt vom Muster und Umfang der fehlenden Werte ab, das prüfen wir vor der eigentlichen Auswertung.

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